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Erschienen am 16. Juni 2013 | von Tim Schiller

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Körperfettwaage im Test: Wie gut ist die WLAN-Waage von Withings?

„Quantified Self“ ist der aktuelle Trend unter körperbewussten, ja fast schon körperbessesenen Menschen. Sie beschäftigen sich sehr genau mit ihren Körperwerten und stellen sie in sozialen Netzwerken zur Schau. Neuartige Waagen, die nicht nur das Körpergewicht, sondern auch Körperfett, Muskelmasse, Wasser und Knochengewicht messen, sind die Antwort der Industrie auf diesen Trend. Die Firma Withings vor Kurzem eine Waage auf den Markt gebracht, die nicht nur eine detaillierte Analyse der Körperwerte liefern soll. Die Smart Body Analyser WS-50 sendet die Daten des Gewogenen direkt drahtlos per WLAN oder Bluetooth an PC, Smartphone oder Tablet. Doch wie zuverlässig sind die Daten der Körperfettwaage wirklich? Die Experten von chip.de haben die 150-Euro-Waage getestet.

Körpergewicht wird korrekt angezeigt

Im Test zeigt sich die WLAN-Waage Withings Smart Body Analyzer beim Körpergewicht ziemlich genau. Bei vielen Digitalwaagen ist das anders – sie zeigen bei mehreren hintereinander folgenden Messungen unterschiedliche Werte an. Anders bei der WS-50: Auch nach mehrfachem Wiegen wird in etwa das gleiche Gewicht angezeigt wie auf der Vergleichswaage im Fitness-Studio. Doch die Waage für 150,- Euro verspricht noch einiges mehr: Neben dem Körpergewicht analysiert sie auch den Körperfettanteil, die Herzfrequenz und sogar die Luftqualität am Messort! Die Tester sind skeptisch, ob das wirklich funktioniert.

Waage per Bluetooth oder WIFI verbinden

Um die Körperwerte auf ein Smartphone oder den PC zu übertragen, benötigt die Waage eine Bluetooth oder WIFI- bzw. WLAN-Verbindung. Beides funktioniert im Test problemlos. Wer sich die Withings-App auf sein Smartphone lädt, kann dieses per Knopfdruck mit der Waage verbinden. Auch die Anbindung der Körperfettwaage ans WLAN-Netz funktionierte im Test ohne Probleme – und das trotz der sehr überschaubaren Bedienungsanleitung, wie die Tester monieren.

In der Waage selbst kann man bis zu acht Benutzerprofile einrichten. Das ist praktisch, wenn mehrere Familienmitglieder die Waage nutzen wollen. Im jeweiligen Profil werden unter anderem Alter, Geschlecht und Körpergröße eingegeben und gespeichert. Nach der erfolgreichen Speicherung des Profils kann gemessen werden: Nach etwa zwei Sekunden hatten die Tester ihre Ergebnisse. Praktisch: Wenn man falsch auf der Waage steht, gibt es einen Hinweis, dass man die Haltung korrigieren soll.

Wie aussagekräftig ist die Körperfettanalyse?

Neben dem Körpergewicht analysiert die WLAN-Waage auch den Anteil des Körperfetts am Gesamtgewicht. Laut Test geschieht dies anhand einer Bioelektrischen Impedenzanalyse, kurz BIA. Hierbei wird mittels eines schwachen Wechselstroms der Widerstand im Körper gemessen. Die daraus gewonnenen Daten lassen bei einer professionellen Analyse Rückschlüsse auf den Körperfettanteil zu. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Allerdings sind die Werte nach Ansicht von Experten nur dann aussagekräftig, wenn bestimmte Voraussetzungen für die Messung gegeben sind: Demnach muss die Person laut wissenschaftlicher Norm während der Messung auf dem Rücken liegen und die Gliedmaßen leicht abwinkeln. Außerdem gibt es eine standardisierte Platzierung der Elektroden. Beides ist bei einer Körperfettwaage so nicht gegeben. Womöglich erscheint den Testern deshalb der gemessene Körperfettanteil als sehr hoch. Eine Vergleichsmessung unter wissenschaftlichen Bedingungen liefern die Tester allerdings nicht.

Herzfrequenz- und Raumluft-Analyse

Laut Hersteller sollte die Herzfrequenz im Ruhezustand gemessen werden und die Waage im Schlafzimmer aufgestellt werden, um die Qualität der Raumluft zu testen. Bei letzterem soll der CO2-Anteil der Raumluft sowie die Temperatur gemessen werden. Zumindest bei der Raumtemperatur liegt die Waage nah am Wert des Vergleichsthermometers. Der CO2-Gehalt der Luft ist laut Messung in Ordnung, allerdings gab es hierzu keinen Vergleichstest. Ob die Herzfrequenz richtig analysiert wurde, dazu äußern sich die Tester nicht. Im Endeffekt handelt es sich bei dem Test offenbar eher um einen Erfahrungsbericht des Autors als um eine Testanordnung, die wissenschaftlichen Kriterien standhält.

Wie zuverlässig ist die Datenübertragung der WLAN-Waage?

Was die Tester von chip.de besonders interessiert, sind die technischen Eigenschaften der Körperfettwaage: Überträgt die WLAN-Waage die gemessenen Werte wirklich zuverlässig ? Im Test wurde die Waage mittels Bluetooth mit einem iPhone 5 verbunden. Zwar funktionierte die Verbindung der Geräte zunächst gut, allerdings schwächelte die Verbindung im Praxistest. So sei die Bluetooth-Verbindung im Test häufig abgebrochen oder die App zeigte nicht das aktuelle Gewicht an. Erst nach mehreren Verbindungs-Versuchen erhielt das iPhone die korrekten Daten der Waage.

Wesentlich zuverlässiger funktionierte im Test die Verbindung der Waage mit dem WLAN-Netz. Die Daten kamen schnell und korrekt auf der personalisierten Website von my.withings.com an. Wer will, kann die Daten anschließend per Facebook oder Twitter in die Web-Community schicken. Für Quantified-Self-Anhänger mit Sicherheit eine praktische Möglichkeit, die eigenen Körperdaten zu erfassen und in die Welt zu schicken. Doch für die meisten Nutzer dürfte dieses Feature wohl doch zu sehr in die Intimsphäre eingreifen. Die Tester sehen in ihrem Fazit die WLAN-Körperfettwaage irgendwo zwischen „nice to have“ und „unnötigen Firlefanz“. Fazit: Allenfalls etwas für Anhänger der Quantified-Self-Bewegung.

Bildquelle: Withings


Über den Autor

ist freier Journalist und beschäftigt sich hauptsächlich mit Verbraucherthemen und Reisejournalismus. Er ist viel in der Welt unterwegs und schreibt regelmäßig Reiseberichte für diverse Webseiten.



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