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Pesto-Test 2013: Stiftung Warentest verteilt nur dreimal GUT

Der Pesto-Test der Stiftung Warentest ist ein Armuts-Zeugnis für die Lebensmittelindustrie. Von 30 getesteten Pesto-Soßen verdienen gerade einmal 3 die Testnote GUT. Der Rest ist bestenfalls Mittelmaß oder sogar gefährlich: Ausgerechnet in einem Bio-Pesto stellten die Tester eine Belastung mit Anthrachinon fest: Der Stoff ist in der EU nicht als Pestizid zugelassen und steht unter Verdacht, krebserregend zu sein. Immerhin hat der Hersteller Ppura reagiert und die betroffenen Pesto-Chargen zurückgerufen.

Oft billige Ersatz-Zutaten im Fertig-Pesto

In ein echtes Pesto Genovese gehören maximal sieben Zutaten: Frisches Basilikum, geröstete Pinienkerne, gutes Olivenöl, geriebener Parmigiano Reggiano und Pecorino, frischer Knoblauch und etwas Salz. Da einige dieser Zutaten ziemlich teuer sind, versucht die Nahrungsmittelindustrie, bei Supermarkt-Pesto teure Zutaten durch billigere Inhaltsstoffe zu ersetzen oder nur in homöopathischen Mengen zu verarbeiten.
So wird Olivenöl häufig in Teilen durch billiges Pflanzenöl ersetzt. Auch diese Masche ist beliebt: Teure Pinienkerne kommen nur in Spuren ins Pesto, stattdessen werden hauptsächlich billige Cashewkerne oder Sonnenblumenkerne eingesetzt. Trotzdem werden auf dem Etikett geröstete Pinienkerne und edler Parmesan abgebildet und somit suggeriert, dass es sich um ein Pesto nach Originalrezept handelt. Übrigens: Bindemittel wie Kartoffelflocken oder Essig zur Konservierung haben in einem echten Pesto Genovese überhaupt nichts zu suchen.

Hersteller, die das tun, dürften das Produkt nicht Pesto Genovese nennen, so die Meinung der Stiftung Warentest. Einige Produzenten tun es trotzdem, weil Pesto Genovese rechtlich nicht geschützt ist. Für die Tester ist das glatter Etikettenschwindel und somit ein Grund zur massiven Abwertung. Im Ergebnis wurden fünf von sechs Pesto-Sorten, die als Pesto Genovese verkauft werden, mit einem MANGELHAFT bewertet, weil die Zutatenliste nicht mit dem Originalrezept übereinstimmt. Beim sechsten Produkt stimmt zwar die Zutatenliste, dafür hatte das bereits erwähnte Ppura-Pesto im Test aber ein großes Schadstoffproblem, was ebenfalls zu einem MANGELHAFT führt.

Das beste Supermarkt-Pesto im Test

Der Testsieger im Pesto-Test kommt von der Convenience-Food-Marke Hilcona. Eigentlich ist das Produkt kein Pesto Genovese im Sinne der Tester sondern eine Basilikumzubereitung, wie die Experten der Stiftung Warentest sagen. Denn obwohl das Hilcona-Pesto geschmacklich mit am besten im Test abschneidet, haben die Hersteller auch hier an den Zutaten gespart: Noch vor dem Olivenöl erscheint Rapsöl auf der Zutatenliste. Vor dem Parmigiano Reggiano, der 7% im Hilcona-Pesto ausmacht, erscheint ein nicht näher definierter Käse mit 8%. Um Pecorino handelt es sich hierbei höchstwahrscheinlich nicht. Muss es aber auch nicht: Schließlich nennt der Hersteller sein Produkt ja nicht Pesto Genovese sondern Frisches Pesto Basilico und erhält ein glattes GUT (2,0). Preislich befindet sich das Hilcona-Pesto allerdings auch im oberen Bereich: Der durchschnittliche Preis liegt bei 2,08 Euro pro 100 Gramm. Weiterer Nachteil: Das Hilcona-Pesto muss gekühlt werden und ist nur recht begrenzt haltbar – also nichts für den Vorratsschrank!

Das zweitbeste Pesto im Test

Deutlich billiger als der Testsieger ist das zweiplatzierte Pesto im Test: Das Casa Morando Pesto Verde von Aldi Nord erhält ein GUT (2,2) und kostet nur 63 Cent pro 100 Gramm. Obwohl die cremige Konsistenz des Aldi-Pestos nicht gerade wie beim Italiener ist, loben die Tester dennoch die sensorische Qualität. Laut Test schmeckt es deutlich nach Basilikum, kräftig nach Käse und leicht nach Öl und gerösteten Nüssen.

Platz Drei im Pesto-Test

Ebenfalls GUT (2,5) und erschwinglich ist das Pesto alla Genovese von Rewe (78 Cent/100 Gramm). Neben einer guten sensorischen Beurteilung (2,5) bekam das Rewe-Pesto eine sehr gute Bewertung für die mikrobiologische Qualität. Laut Test schmeckt es kräftig nach Basilikum, deutlich nach Käse und leicht nach Öl und Knoblauch. Allerdings sei das Basilikum teilweise sehr bissfest. Der Name Pesto alla Genovese ist laut Test statthaft, weil das Wörtchen alla deutlich mache, dass es sich um ein Pesto nach Genovese-Art handelt. Ähnlich wie beim Schnitzel nach Wiener Art, das im Gegensatz zum echten Wiener Schnitzel auch aus Schweinefleisch statt aus Kalbfleisch bestehen kann.

Im Test durchgefallen: Diese Pesto-Produkte sind MANGELHAFT

Obwohl das Flaschenweise Basilikum Pesto mit einer glatten Eins geschmacklich am besten abgeschnitten hat, sind die Fehler in der Deklaration so gravierend, dass die Stiftung Warentest auch in der Gesamtnote ein MANGELHAFT (5,0) hierfür vergibt. Das Produkt enthält laut Test mehr Raps- als Olivenöl, obwohl die Zutatenliste das Gegenteil suggeriert. Mit 5,55 Euro/100 Gramm ist das Produkt von Flaschenweise das teuerste Pesto im Test.
Ebenfalls MANGELHAFT (5,0): Das Green Pesto von Starkoch Jamie Oliver. Hier kritisieren die Tester vor allem den Geschmack: Das Basilikum sei aromaarm und das Produkt rieche deutlich nach Knoblauchpulver – ein K.O.-Kriterium für die Tester.
Aroma-Armut beim Basilikum bescheinigen die Tester auch dem Lidl-Produkt Baresa Pesto alla Genovese. Außerdem sei das Lidl-Pesto leicht flockig und faserig. Geschmacklich und insgesamt somit MANGELHAFT (5,0).
Das Pesto alla Genovese von Strauss Innovation schneidet ebenfalls aus geschmacklichen Gründen schlecht ab. Aus Sicht der Tester riecht es alt, das Basilikum ist arm an Aroma. Außerdem schmeckt es bitter und sauer. Gesamturteil: MANGELHAFT (5,0).
Geschmacklich gut, aber bei der Deklaration derart schlecht, dass es als Testverlier bei den Basilikumzubereitungen aus dem Rennen geht, ist das TerraSana Pesto Tradizionale mit der Gesamtnote MANGELHAFT (5,5). Obwohl in der Zutatenliste nur Olivenöl erwähnt wird, enthält das Pesto auch Sonnenblumenöl. Außerdem besteht das Produkt zu 15 Prozent aus Cashew-Nüssen, die ebenfalls nicht angegeben sind. Für Allergiker kann das gefährlich werden. Außerdem stimmen die Nährwertangaben laut Untersuchung nicht und sind zudem in zu kleiner Schrift angegeben.

Warum jedes Pesto Genovese im Test durchfällt

Nach Meinung der Tester verspricht ein Produkt mit dem Namen Pesto Genovese ein Produkt, das nach traditioneller Rezeptur hergestellt ist. Weder Rapsöl noch Cashewkerne oder billiger Hartkäse haben darin etwas zu suchen, so die Stiftung Warentest. Wenn ein Hersteller solche Ersatz-Zutaten verwendet und das Produkt dennoch Pesto Genovese nennt, kassiert er von der Stiftung Warentest dafür automatisch ein MANGELHAFT – egal, wie das Pesto schmeckt. Das trifft auf fast alle Produkte im Test zu, die als Pesto Genovese verkauft werden. Dennoch sind einige dieser Produkte geschmacklich durchaus gut. Hierzu zählen die Produkte Bio-verde Pesto Genovese (1,81 Euro/100 Gramm), La Gallinara Pesto Genovese (4,95 Euro/100 Gramm) und das Bernbacher Pesto Genovese (1,42 Euro/100 Gramm).
Nur ein einziges Produkt im Test enthält die richtigen Zutaten für ein echtes Pesto Genovese: Das Ppura Pesto von Basilico Genovese D.O.P. (3,55 Euro/100 Gramm). Doch ausgerechnet dieses Produkt hat im Test ein großes Schadstoffproblem: Es enthielt im Test das in der EU nicht zugelassene Pestizid Anthrachinon. Zwar habe die Schweizer Firma Ppura reagiert und die pestizidverseuchte Charge aus dem Handel genommen. Für den Test bedeutet das Ergebnis dennoch ein MANGELHAFT (5,5). Mittlerweile hat Ppura einen neuen Hersteller mit der Pesto-Produktion beauftragt. Allerdings: Trotz Originalzutaten kommt das Ppura-Pesto geschmacklich nur zu einem AUSREICHEND (4,0). Offenbar kommt es nicht nur auf die richtigen Zutaten sondern auf die richtige Rezeptur an. Hier stellen wir Ihnen ein Pesto-Rezept vor, das einfach ist und dennoch schmeckt.

Rezept Pesto Genovese

Zutaten

  • 1 Bund frisches, junges Basilikum (ca. 150 Gramm)
  • 2 Zehen frischer Knoblauch
  • 60 Gramm frisch geriebener Pecorino
  • 60 Gramm frisch geriebener Parmigiano Reggiano
  • 60 Gramm frisch geröstete Pinienkerne
  • 150 ml Olivenöl extra vergine
  • 1/2 TL Salz

Zubereitung

  1. Pinienkerne in beschichteter Pfanne kurz hellbraun anrösten. Parmesan und Pecorino reiben oder klein gewürfelt im Mixer fein zerkleinern und in eine kleine Schüssel geben.
  2. Basilikum waschen, Blätter zupfen und hacken. Knoblauch schälen und grob hacken.
  3. Basilikum, Knoblauch, erkaltete Pinienkern und Salz in den Mixer geben und stoßweise durchmixen. Mit ein paar Spritzern Olivenöl lässt sich die Mischung leichter mixen.
  4. Basilikumzubereitung löffelweise mit Olivenöl und geriebenem Käse vermischen und zu einer groben Paste rühren, mit Salz abschmecken und unter die frisch gekochten Nudeln rühren. Mit Parmesan bestreuen.

Pesto-Tipps

  • Pesto Genovese schmeckt am besten mit frischer Pasta (Pasta fresca), vor allem mit breiten Nudeln wie Tagliatelle oder Fettuccine.
  • Wenn etwas Pesto übrigbleibt, in ein schmales Gefäß gießen und unter einer Schicht Olivenöl im Kühlschrank aufbewahren. Das Pesto hält sich so im Kühlschrank einige Wochen.
  • Größere Mengen Pesto lassen sich in Gefrierdosen gut einfrieren. Das gefrorene Pesto hält sich bis zu einem Jahr im Gefrierfach. Bei Bedarf mit einem scharfen Messer die benötigte Menge abschneiden und in der Mikrowelle auftauen.
  • Eine Caprese von Tomaten und Mozzarella schmeckt kräftiger, wenn sie mit etwas Pesto beträufelt wird.

Pesto-Test 2013: Basilikumzubereitungen

BasilikumzubereitungPreis pro 100 GrammQualitätsurteil
Hilcona Frisches Pesto Basilico (gekühlt)2,08 EuroGUT (2,0)
Aldi (Nord) Casa Morando Pesto Verde0,63 EuroGUT (2,2)
Rewe Pesto alla Genovese0,78 EuroGUT (2,5)
Penny Orto Mio Pesto Verde alla Genovese0,68 EuroBEFRIEDIGEND (2,8)
Barilla I Pesti alla Genovese1,43 EuroBEFRIEDIGEND (3,5)
Kaiser’s Tengelmann De Niro Pesto alla Genovese0,84 EuroBEFRIEDIGEND (3,5)
Casa Romantica Pesto alla Genovese1,21 EuroAUSREICHEND (3,7)
Alnatura Pesto Verde2,04 EuroAUSREICHEND (3,8)
De Cecco Pesto alla Genovese1,45 EuroAUSREICHEND (3,8)
Bertolli Pesto Verde1,44 EuroAUSREICHEND (3,9)
Netto Mamma Gina Pesto alla Genovese0,68 EuroAUSREICHEND (4,0)
Saclà Italia Pesto alla Genovese1,31 EuroAUSREICHEND (4,0)
Kattus Pesto Verde2,39 EuroAUSREICHEND (4,2)
LaSelva Verde pesto2,27 EuroAUSREICHEND (4,2)
Crespi Ceriana Pesto San Remo Pesto alla Genovese1,92 EuroAUSREICHEND (4,5)
Edeka Gut & Günstig Pesto alla Genovese0,63 EuroAUSREICHEND (4,5)
Kaufland K-Classic Pesto alla Genovese0,68 EuroAUSREICHEND (4,5)
Real Tip Italienisches Pesto alla Genovese0,63 EuroAUSREICHEND (4,5)
Riesa Nudelkrönung Basilikum-Pesto1,05 EuroAUSREICHEND (4,5)
Flaschenweise Basilikum Pesto (gekühlt)5,55 EuroMANGELHAFT (5,0)
Jamie Oliver Green Pesto1,89 EuroMANGELHAFT (5,0)
Lidl Baresa Pesto alla Genovese0,68 EuroMANGELHAFT (5,0)
Strauss Innovation Pesto alla Genovese1,92 EuroMANGELHAFT (5,0)
TerraSana Pesto Tradizionale (Bio)2,78 EuroMANGELHAFT (5,5)
Quelle: Stiftung Warentest

Pesto-Test 2013: Basilikumzubereitungen

Pesto GenovesePreis pro 100 GrammQualitätsurteil
Bio-verde Pesto Genovese (gekühlt, Bio)1,81 EuroMANGELHAFT (5,0)
La Gallinara Pesto Genovese2,85 EuroMANGELHAFT (5,0)
Manufactum Lucchi & Guastalli Genoveser Pesto4,95 EuroMANGELHAFT (5,0)
Terre de Liguria Pesto Genovese2,22 EuroMANGELHAFT (5,0)
Bernbacher Pesto Genovese1,42 EuroMANGELHAFT (5,5)
Ppura Pesto von Basilico Genovese D.O.P. (Bio)3,55 EuroMANGELHAFT (5,5)
Quelle: Stiftung Warentest

Der komplette Test erscheint in der Zeitschrift Test (Ausgabe 08/2013) oder kann gebührenpflichtig unter test.de abgerufen werden.

About Tim Schiller

ist freier Journalist und beschäftigt sich hauptsächlich mit Verbraucherthemen und Reisejournalismus. Er ist viel in der Welt unterwegs und schreibt regelmäßig Reiseberichte für diverse Webseiten.

One comment

  1. Danke für den Artikel!

    Schade, dass das Pesto von Terra Sana bei der Stiftung Warentest so schlecht weggekommen ist – schlimmer als undeklarierte Cashewnüsse finde ich Kartoffelflocken (deklariert oder nicht) – ein echt billiges Mittel, um das Volumen und das Gewicht zu erhöhen – dafür schmeckt es dann nicht so stark und man muss mehr Pesto auf die Nudeln geben! Solche Pestos sollten meiner Meinung nach abgewertet werden!

    Die meisten Pestos, als jeden Fall alle aus den Supermärkten, haben Kartoffelflocken drin. Über mehrere Jahre habe ich bestimmt 10 Pestos probiert, und keines von Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Kaiser’s kommt meiner Meinung nach geschmacklich an Pesto Genovese und Tradizionale von Terra Sana (Bio) heran – sind aber teilweise ebenso teuer! Das bei Terra Sana enthaltene Sonnenblumenöl (falls das echt stimmt) ist nicht herauszuschmecken, auch wenn es nicht die feine englische (respektive: italienische) Art ist.

    Schöne Grüße,

    Ned