Ernährung

Erschienen am 29. Januar 2016 | von Tim Schiller

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Olivenöl-Test 2016: Etikettenschwindel und Schadstoffe

Die Stiftung Warentest hat im Olivenöl-Test 2016 26 Olivenöle getestet. Die Hälfte der Olivenöle fiel im Test mit einem MANGELHAFT durch. Dabei schmücken sich alle getesteten Öle mit dem Prädikat nativ extra – das ist die höchste Güteklasse für Olivenöl. Der Test der Stiftung Warentest stellt fest: Olivenöl-Hersteller mogeln bei der Herkunft, verarbeiten minderwertige Oliven und scheren sich nicht um Pestizid- oder Mineralöl-Rückstände im Olivenöl. Nur ein einziges Olivenöl erhält die Gesamtnote GUT.

Olivenöl-Test-Sieger: 40 Euro pro Liter

Wenn es ums Olivenöl geht, galt lange Zeit die Devise: Qualität muss nicht teuer. Immerhin hatten sogar Discounter-Olivenöle früheren Tests durchaus passable Testnoten erhalten. Ganz anders im aktuellen Olivenöl-Test der Stiftung Warentest. Das einzige Öl mit der Bestnote GUT (2,4) gehört mit einem Literpreis von 40,- Euro zu den zwei teuersten Produkten im Test: Das spanische Olivenöl O-Med Picual Extra virgin olive oil überzeugte die Tester im Geschmack und bei der chemischen Qualität. Allerdings gab es Punktabzug bei der Deklaration – ein Schwachpunkt bei allen getesteten Olivenölen: Kein einziges hielt sich an die – zugegebenermaßen sehr strengen – Vorschriften zur Kennzeichnung von Olivenöl.

Olivenöl-Test-Verlierer: Ebenfalls 40 Euro pro Liter

Ein teures Olivenöl ist aber nicht automatisch ein gutes Olivenöl. Auch das beweist der Olivenöl-Test der Stiftung Warentest. Denn ausgerechnet das Olivenöl, das mit einem Literpreis von 40,- Euro genauso viel kostet wie der Testsieger, schneidet im Test am schlechtesten ab: Agrestis Nettar Ibleo Organic & DOP Olio Extravergine de Oliva bekommt die Gesamtnote MANGELHAFT (5,4). Die sensorische Qualität, also Geschmack und Aroma, werden von Testern zwar als sehr gut bezeichnet, doch beim Testkriterium Schadstoffe gibt es von den Testern eine rote Karte: Laut Stiftung Warentest ist das Bio-Olivenöl sehr stark mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOSH) belastet. MOSH können sich im Körper anreichern und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Sie können beispielsweise über Abgase oder Schmieröle im Produktionsprozess in Lebensmittel geraten. Zwar wurden in allen 26 getesteten Olivenölen MOSH gefunden, aber beim Testverlierer war der Gehalt besonders hoch.

Discounter-Olivenöl mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

Immerhin gab es auch ein preiswertes Olivenöl, das die Tester geschmacklich überzeugen konnte: Andorinha Portugal Natives Olivenöl Extra von Lidl erhielt gute Werte bei der sensorischen Beurteilung. Die Tester beschreiben es als „gut ausgewogen“ und „anhaltend“. Für die fehlerhafte Kennzeichnung gab es Punktabzüge. Wer damit leben kann, bekommt für einen Literpreis von 6,40 Euro ein Olivenöl, das insgesamt als BEFRIEDIGEND (2,8) eingestuft wird. Allerdings handelte es sich bei dem Testprodukt um Aktionsware, die im Sommer 2015 eingekauft wurde, wie die Tester einräumen.

Etikettenschwindel bei Olivenöl: Strenge Olivenöl-Verordnung bei keinem Produkt eingehalten

Olivenöl-Hersteller haben bei der Etikettierung ihrer Produkte eine Vielzahl von Vorschriften einzuhalten. So dürfen nur bestimmte genau festgelegte Geschmacksnoten auf dem Etikett aufgeführt sein, strikt sind auch die Vorgaben für Lagerungsempfehlung, Werbeaussagen und Verwendungsempfehlung. Wer diese nicht peinlich genau einhielt, bekam von den Testern der Stiftung Warentest Punktabzüge. Und das war bei allen getesteten Olivenölen der Fall: Von 26 Produkten hielt sich kein einziges vollständig an die EU-Olivenöl-Verordnung.

Den kompletten Olivenöl-Test der Stiftung Warentest können Sie in der Zeitschrift TEST (02/2016) nachlesen oder gebührenpflichtig unter www.test.de abrufen.


Über den Autor

ist freier Journalist und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Verbraucherthemen und Reisejournalismus. Er schreibt regelmäßig Fachartikel für diverse Webseiten des Verbraucherjournalismus.



One Response to Olivenöl-Test 2016: Etikettenschwindel und Schadstoffe

  1. Gisbert says:

    So ein Schei… warum können diese Leute nicht einfach:

    Oliven in der traditionelle Weise pressen (ohne Mineralöl weil keine „Maschine“),
    Öl grob filtrieren so dass Poliphenole enthalten bleiben,
    In dunkle Flaschen einschenken und versiegeln,
    Eine Musterprobe abschmecken um das Etiquet richtig drucken zu können,
    Verkaufen.

    Einfach, simple, praktisch.

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